„The Championship“ Challenge Samorin

Ein Dreiviertel Jahr habe ich mich auf die Mitteldistanz gefreut und drauf vorbereitet. Jetzt ist die Schlacht geschlagen und da man nicht alltäglich bei einer Weltmeisterschaft startet, könnte es passieren, dass der folgende Blogeintrag etwas länger wird.

Da uns ein verlängertes Wochenende vergönnt war, fuhren Anne und ich schon am Donnerstag Richtung Samorin. Die Wettkampfstätte liegt circa 30km südlich der slowakischen Hauptstadt Bratislava, in der wir uns eine kleine gemütliche Ferienwohnung über Airbnb mieteten. Leider besteht die tschechische Autobahn gefühlt nur aus Baustellen, so dass wir erst nach 9h Autofahrt ankamen. Das hat echt geschlaucht. Umso schöner war dann der Freitag, den wir zum ausgiebigen Sightseeing in Bratislava nutzten.

Der Samstag war dann geblockt zum Startunterlagen abholen, Wettkampfbesprechung und Rad Check-In. Der Wettkampf fand im X-Bionic sphere statt, was ein riesiges Sportareal, mit allem was das Sportlerherz begehrt, darstellt. …nur war die Hotelübernachtung für uns eindeutig zu teuer. Der Vorteil war aber, dass wirklich alles relativ kompakt zusammen ist und auch ausreichend Parkplätze zur Verfügung standen.

Das Abholen der Startunterlagen ging ziemlich flott und da noch ziemlich viel Zeit bis zur Wettkampfbesprechung war nutzte ich die Zeit um 15km der Radstrecke abzufahren und Anne auf einem kurzen ziemlich sonnigen Lauf mit dem Rad zu begleiten. Normalerweise laufe ich am Tag vor dem Wettkampf auch immer noch 3-4 Kilometer um die Beine auf die Belastung vorzubereiten. Leider musste ich aber vor dem Wettkampf eine 4 wöchige Laufpause einlegen, da mein linkes Knie sich zur Zeit Läuferknie schimpft.

Die (deutsche) Wettkampfbesprechung begann pünktlich um 14:30 Uhr. Am spannendsten war wohl die Information, dass erst am Sonntag um 8 Uhr bekannt gegeben wird, ob und wie das Schwimmen stattfinden wird. Eine starke Strömung, Hochwasser, Treibgut und ziemlich kalte Wassertemperaturen versprachen nichts Gutes.

Um 15:30 Uhr sollte dann der Check-In geöffnet werden. Blöd, wenn man dann davor steht und in der prallen Sonne über eine Stunde wartet, bis er dann tatsächlich geöffnet wird. Das gibt einen klaren Minuspunkt für die Veranstaltung. Als das Rad dann aber doch seinen Platz gefunden hat, die Beutel schon mal an den Haken gehangen wurden und ich die Laufwege einmal abgegangen bin, fuhren wir wieder zurück nach Bratislava, um unsere eigene kleine Pastaparty zu veranstalten.

It’s raceday. 🤘

Nach einem gemütlichen Frühstück ging es auf nach Samorin. Um 8 Uhr dann die Bekanntgabe: 14,4’C Wassertemperatur und komplette Schwimmstrecke von 1,9km. Wer schon mal bei solchen Temperaturen im Wasser war weiß, warum ich auf das Einschwimmen verzichtet habe. Zunächst ging es aber eh ans Rad, die Flaschen präparieren und nochmal die Wechselbeutel herrichten. Der Start der Profis war für um 9 Uhr angesetzt, dann kamen die Frauen Agegrouper und die Männer AK50+, bis dann die Altersklassen 20-29 um 10 Uhr starteten. So hatte ich noch etwas Zeit in mich zu gehen und den Wettkampf in Gedanken durchzugehen. Meine Erwartungen? Hauptsache schmerzfrei ins Ziel kommen und auf der Radstrecke ordentlich drücken.

Auf ging es also zum Schwimmstart, die Profis anfeuern und sich nochmals die Schwimmstrecke vom Ufer aus einprägen.

Rein in den Neo, zwei Badekappen aufgesetzt und rein in das Wasser. Ich glaub ich weiß jetzt, wie sich ein Eisbär fühlt, wenn er ausversehen von einer Eisscholle ins Wasser rutscht. Habe ich schon erwähnt, dass ich Kälte überhaupt nicht ausstehen kann? Das Signalhorn eröffnete den Wasserstart und auf ging es in die versüffte Donau auf eine 1,9 km Runde. Tja und jetzt hat sich das fehlende Einschwimmen gerächt. Ich hatte meine Schwimmbrille nicht richtig aufgesetzt und musste ganze 3 mal anhalten, bis ich wieder halbwegs etwas sehen konnte. …und weg waren alle. Mit ziemlich tauben Armen und Beinen, einem stechen in der Brust vom kalten Wasser schwomm ich also allen anderen hinterher.

Die Strömung machte es mir auch nicht viel leichter und ich war wirklich froh, als der Spuk nach 39:32 min vorbei war.

Nach einem ewig langen Lauf zur Wechselzone, konnte ich mich wenigstens beim Wechsel von Position 44 auf Position 38 in meiner Altersklasse vorarbeiten.

Wegen der langen Laufpause wollte ich heute alles aufs Radfahren setzen, da ich nicht mal wusste, ob mich mein Knie beim anschließenden Lauf überhaupt bis ins Ziel tragen würde. Die absolut flache Strecke (100hm) war ein Ein-Runden-Kurs und versprach schnelle Zeiten. Der Asphalt war zwar teilweise recht gruselig die Schlaglöcher wurden aber alle sehr gut vom Veranstalter markiert. Zumindest in dem Bereich in dem ich mich bewegt habe wurde auch sehr fair gefahren und es waren ausreichend Kampfrichter auf der Strecke unterwegs. Dieses Mal habe ich auch aus meinen Erfahrungen bei der Challenge Prague gelernt und habe mich an jeder Verpflegungsstelle, die alle 22km waren, mit ordentlich Wasser versucht runterzukühlen. Auf den ersten Kilometern hatte ich etwas muskuläre Probleme, was aber wohl noch die Nachwirkungen der kalten Donau waren. Irgendwann konnte ich dann doch meine geplanten Wattwerte treten und als ich richtig drin war, war dann die Batterie von meinem Wattmesser leer. Also eben frei Schnauze fahren 😄 So lange es in den Beinen brennt, wird das Tempo schon stimmen. Nach 2:10 h und einem Schnitt von 41km/h über die 90km war für das Felt IA16 der Arbeitstag vorbei.

Schnell die Laufschuhe schnüren und immerhin auf Position 20 auf die Laufstrecke wechseln. Vor einigen Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich es bei einer Weltmeisterschaft unter die ersten 20 meiner Altersklasse schaffen könnte.

Jetzt standen mir aber zunächst 21 km aufgeteilt auf drei Laufrunden bevor. Der wechselnde Untergrund zwischen Sand, Gras und Asphalt und die hohen Temperaturen sollten es nicht gerade zu einem Spaziergang werden lassen.

Trotzdem hatte ich für jeden Anfeuerer noch ein Lächeln oder ein Daumen hoch parat.

Das wichtigste war das Kühlen. Ich bin an jedem Verpflegungspunkt stehen geblieben um mir Wasser überall hinzukippen. Ein großes Lob an den Veranstalter, dass das Wasser und die Schwämme immer runtergekühlt waren!

Eine großartige Laufleistung war nach der langen Laufpause wirklich nicht zu erwarten. Am glücklichsten aber war ich, dass die Schmerzen im Knie ausblieben. Das war wohl der größte Erfolg des Tages. Mit einer Pace von 4:26 min/km stolperte ich dann endlich durchs Ziel. Und wer hätte es gedacht, ich konnte sogar noch zwei Plätze gut machen und nach 4:28:29 h als 18. der AK25-29 und als 63. Overall den Zielbogen durchqueren! Klar war ich auf der Mitteldistanz schon schneller, unter diesen Umständen bin ich aber wirklich mehr als zufrieden.

Einen riesen Dank an alle Sponsoren, die mich auf meinem sportlichen Weg unterstützen, meinem Arbeitgeber Bundeswehr, meiner Mutti für den Platzierungssupport und natürlich an Anne für das unglaublich tolle Anfeuern und unterstützen vor Ort. Alleine wäre sowas nicht möglich gewesen. Vielen Dank.

Jetzt bleiben exakt noch 62 Tage Zeit bis zu meiner zweiten Langdistanz, in der Hoffnung, dass mein Knie bald wieder voll belastbar sein wird und ich auch dort erhobenen Hauptes über die Ziellinie schreiten kann.

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