18. OstseeMan

Meistens liest man in Erfahrungsberichten, dass die zweite Langdistanz etwas schlechter ausfällt als die erste. Nach meinem LD-Debüt bei der Challenge Roth 2018 in 9:38h lag es also dieses Jahr an mir, dem zu widersprechen.

Ausgestattet mit der Startnummer 222 ging es nach einer Woche Schwedenurlaub am Mittwoch vor dem OstseeMan schon nach Glücksburg. Am Mittwochabend bin ich dann noch schnell 5km der Laufstrecke abgelaufen und am Donnerstag die 30km lange Radrunde einmal abgefahren. Das ich am Ende der Runde 36km auf dem Tacho stehen hatte lag nicht nur an meinen Orientierungskünsten sondern auch an der recht spärlichen Streckenmarkierung. Das nächste Mal ziehe ich mir die Route dann doch lieber vorher auf den Garmin.

Wer meine Vorbereitung in den vergangenen Monaten ein Stück weit verfolgt hat, der weiß, dass ich durch ein recht penetrantes Läuferknie die letzten drei Monate stark gehandicapt war. Im Mai, Juni und Juli kamen mit Ach und Krach etwa 200 Laufkilometer zustande, wobei der längste Lauf über 22 km gerade mal sieben Tage vor dem OstseeMan war 🙈

Die eigene Vorgabe lautete also nur, schmerzfrei ins Ziel zu kommen. Am Freitag bin ich morgens noch 600m in der Ostsee geschwommen, nicht nur um mich an das Salzwasser zu gewöhnen, sondern vor allem um zu spüren wie es sich anfühlt in eine Qualle beim Kraulen zu greifen. Das kann ich wirklich nur jedem Empfehlen, liebe Quallen R.I.P. Danach die Startunterlagen abgeholt und ab zur Pastaparty. Leider habe ich wirklich noch nie schlimmere Nudeln gegessen. Ich koche wirklich immer recht salzarm, die dort gereichten Nudeln waren aber leider selbst für mich zu fad. Ein Glück hatten wir in unserem Hotelzimmer auch eine Küchenzeile und konnten uns somit wirklich gut selbst versorgen. Falls ihr damit liebäugelt auch mal in Glücksburg zu starten, lege ich euch „Reich’s Hotel“ ausdrücklich ans Herz. Super nette Betreiber, das Hotel liegt direkt am Streckenrand (dazu später mehr) und Frühstück am Raceday gibt es auch von 5-10 Uhr.

Am Samstag dann um 12 Uhr die obligatorische Wettkampfbesprechung und von 14 bis 18 Uhr die Möglichkeit das Rad einzuchecken.

Auf der Triathlon-Expo noch 25min. Reboots Recovery ausprobiert bevor es an den Streckenrand vom Frauenlauf ging, um Anne anzufeuern.

4:30 Uhr. Der Wecker klingelt endlich, nach so vielen Monaten Vorbereitungszeit. Schnell zwei Honigbrötchen reingedrückt und um 6 Uhr zum Rad, den Regenüberzug abmachen, die Beutel checken und alles vorbereiten. 20 Minuten vor um 7 in den Neo zwängen, sich das Einschwimmen sparen und ab an die Startlinie. Es standen zwei 1,9km-Runden ohne Landgang oder der gleichen an. Der gemeinsame Landstart aller Athleten über die Langdistanz ist einfach cool.

Es gibt nichts aufregenderes als an der Startlinie zu stehen und beim Ertönen des Startsignals wie bescheuert loszusprinten, obwohl der Großteil der Starter über 9 Stunden körperliche Anstrengung noch vor sich hat. 😄 Trotzdem gehört das einfach dazu. Auch wenn mir das Schwimmen immer ewig vorkommt, fand ich dieses Mal recht früh ein paar Beine eines Staffelschwimmers, an die ich mich ran hängen konnte. Die Quallenkonzentration fiel zwar laut Info anderer geringer aus als im letzten Jahr, trotzdem macht das nicht so richtig Spaß die armen Tiere mit der Hand zu zerteilen. Nur der Feuerqualle, die mich im Gesicht erwischt hat, sende ich die besten Grüße in die Hölle 🤬 Die erste Runde war nach circa 33 Minuten rum. Leider verlor ich an der Boje meinen Staffelschwimmer und musste mich nunmehr mit meinem Zick-Zack-Schwimmstil alleine durchschlagen. Hier beginnt leider schon der größte Kritikpunkt am OstseeMan 2019. 20 Minuten nach der Langdistanz startet die Mitteldistanz. Ziemlich frühzeitig auf der zweiten Schwimmrunde fand ich mich zwischen lauter grünen Badekappen wieder, was ein gleichmäßiges Schwimmen eindeutig verkomplizierte. Auch begann die Ostsee mit ein paar welligen Höhenmetern aufzuwarten, um das Schwimmvergnügen zu komplettieren. Nach 1:07:33 h ging es als 45. aus dem Wasser. Leider gemeinsam mit sehr vielen Startern der Mitteldistanz, die ganz gemütlich ihre Beutel suchten und sich im Wechselzelt breit machten. Gute 30 Sekunden früher als in Roth auf dem Rad zu sitzen gab natürlich einen extra Motivationsschub.

Auf dem Rad standen jetzt 180km aufgeteilt auf sechs 30km-Runden an. Die erste Runde war leider so dermaßen voll mit Mitteldistanzlern, das die einzige Lösung zum fair fahren hieß „Kette rechts“. Klar sollte man sich die Kraft auf einer Langdistanz einteilen, aber als passionierter Radfahrer gibt es für mich nichts schlimmeres als im Windschatten zu hängen. Leider ist auch ziemlich lange ein Kampfrichtermotorrad in meinem Sichtfeld gefahren, dem das Gelutsche genauso wenig gestört hat wie einem Großteil der Sportler. Das Schlimmste an der ersten Radrunde war aber definitiv die Fahrbahnmarkierung. Teilweise waren die Pylonen so eng gesetzt, dass ein gefahrloses überholen schwer möglich war. Die Anzahl der gestürzten Radfahrer bestätigen das leider. Die ersten 30km noch in unter 45 Minuten abspulend kam dann der Supergau. Direkt nach der Verpflegungsstation wollte mein Umwerfer nicht mehr aufs große Kettenblatt wechseln. Das Schaltwerk zuckte wenigstens noch 3-4 mal, gab dann aber auch den Geist auf. Also rechts ran fahren und schauen was los ist. Nach einigem Rumdrücken und schauen kam dann heraus, dass wohl einfach der Akku leer war. Ich konnte noch irgendwie hinten auf das 2.-3. kleinste Ritzel schalten, nur vorne wollte der Umwerfer gerne auf dem kleinen Kettenblatt bleiben. Die Schaltung hatte ich am Freitag erst frisch geladen. Ich kann mir nur vorstellen, dass vielleicht der Regenüberzug in der Wechselzone permanent auf einen Schaltknopf gedrückt haben könnte und somit über Nacht den Akku geleert hat. Ändern konnte ich es in dem Moment eh nicht, also eben wie man beim Bund so schön sagt „Leben in der Lage“ 😂

Die zweite Runde ging es also bergauf mit über 300 Watt, bergab mit einer Trittfrequenz von dem jeder Bahnradsprinter träumt, aber insgesamt doch eher schlecht als recht. Mein großes Glück in dem Fall war dann Anne. Nicht nur, dass sie mich immer super unterstützt beim Sport, sondern in diesem Fall sogar den Wettkampf gerettet hat. Unser Hotel lag direkt am Ende der 30km-Runde am Streckenrand beim Verpflegungspunkt. Anne ist also schnell ins Hotelzimmer, hat das Ladekabel der Schaltung geholt, ein Verlängerungskabel vom Hotel an den Streckenrand organisiert, tja und da stand ich dann erstmal 10 Minuten um den Akku zu laden. Die folgenden Runden habe ich dann nur noch mit dem Schaltwerk geschaltet und bin vorne die ganze Zeit auf dem großen Kettenblatt geblieben. Leider habe ich mich auf Runde 3 und 4 ziemlich abgeschossen und musste dann auf den letzten 60km ziemlich leiden. Ich war froh überhaupt noch 200 Watt treten zu können.

Laut meinem Garmin hatte ich eine reine Fahrtzeit von 4:46h, offiziell durch den Defekt ging es aber erst nach 5:02h in die Wechselzone. Wer weiß was ohne Defekt für eine Zeit drin gewesen wäre. Und das trotz 1200 hm und einem teilweise recht eckigem Kurs. Die NP lag am Ende bei 206 Watt.

Fahrrad abgeben und rein in die Laufschuhe. Da ich in der Vorbereitung so wenig gelaufen bin, wollte ich das Ganze eher passiv angehen. Vorgenommen hatte ich mir, so lange es geht, eine Pace von 5 min/km zu rennen.

Am Anfang musste ich dann doch den ein oder anderen ziehen lassen, meine Beine fühlten sich aber wirklich besser an als in Roth 2018. Trotzdem bin ich beim vorgenommenen Tempo geblieben und konnte recht konstant pro 8,5km-Runde, die 5 mal zu laufen war, meine Rundenzeit von 42 Minuten halten. Besonders cool waren die Stimmungsnester an der Strecke. Da soll nochmal jemand sagen Roth wäre über alles erhaben. Von der Stimmung und vom Streckenverlauf würde ich den OstseeMan jederzeit vorziehen.

Wer hätte es gedacht, mein Knie hat gehalten, der Krampf im Bein und das Stechen im Rücken gingen auch irgendwie weg und nach 3:31:48 h für den Marathon ging es als Gesamt 16. über die Ziellinie. Nach einer neuen Bestzeit im Schwimmen und Laufen und theoretisch auch auf dem Rad ohne Defekt, war ich zwar 6 Minuten langsamer als in Roth, dafür bin ich mit der Gesamtzeit von 9:44:41 h aber durchaus zufrieden.

Ein 3. Platz in der Altersklasse 25 und ein 3. Gesamtplatz bei der Seebattalion Competition (Militärwertung) sprechen dann doch für ein recht solides Resultat, auch wenn dort überall ohne Radprobleme locker der 2. Platz drin gewesen wäre.

Aber hey, die nächste Langdistanz kommt bestimmt. Mal sehen wo es mich 2020, dann in der Altersklasse der alten Säcke startend, hin verschlägt.

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